Presse

Süddeutsche Zeitung Familie - bitch MATERial
Iris Schieferstein - She imagined (2005)

Pressespiegel

Anique Delphine - Singel Serve Feminism (2018)
GODsDOGs - Χθονία (Chthonia) (2018)
Oda Jaune - Big Bed Scene (2015)
Julija Goyd - Composition of the State (2012)
Peter Wilde - Birthgiver (2018)
René Schoemakers - Christus segnet die Kinder (2017)

Pressetext

bitch MATERial

Ausstellung mit Begleitprogramm zur Erweiterung des Mutterbegriffs

Was ist eine Mutter heute? Frau, Löwin, Schlampe, Hure oder Heilige? Es gibt viele Klischees und „Wahrscheinlich ändern sich die Traditionen nie“, vermutet Iris Schieferstein, in ihrem Werk „she imagined“: Ein gut gelaunter Knabe im rosafarbenen Schlafanzug mit einem Holzschwert in der Hand reitet auf einer knieenden, nackten Frau mit Pferdeschweif am Hintern und Pferdemaske im Gesicht. Der Knabe: ihr Sohn? Ein Rollenklischee pointiert in Szene gesetzt. Mutter-Sein ist das Thema der Ausstellung bitch MATERial. Aber, was ist das: Die Mütterlichkeit, die Mutterschaft, das Mutter-Sein? Rollenbilder, die heute alles andere als eindeutig sind.

Schieferstein ist eine von ca. 30 internationalen Künstler*innen, die Werke zur Ausstellung beigesteuert haben. Auch Kinderlose und männliche Künstler sind vertreten und zeigen ebenfalls Aspekte des Mutterseins. Denn Mutterschaft soll neu definiert werden. „Löwinnen werden, wenn sie Jungen haben, viel aktiver als vorher, jagen mehr, sind effektiver und verteidigen den Nachwuchs aggressiver“, weiß Britta Helbig, die zusammen mit Saralisa Volm die Ausstellung kuratiert hat. Die aktive Künstlerin und Mutter steht daher im Zentrum der Ausstellung bitch MATERial.

Der Begriff „Bitch“ war bisher nicht positiv konnotiert, hat jedoch im Sinne einer „bad bitch“ als selbstbestimmte und erfolgreiche Frau eine Neudefinition erfahren. Wobei von den Kuratorinnen durchaus intendiert ist, dass die Kombination der Begriffe bitch material und  MATER – Mutter – zunächst Irritation, dann jedoch Fragen hervorruft. Dieser vermeintliche Widerspruch wurde so auch den Ausstellungsmacherinnen entgegen gehalten, als sie Sponsoren für ihr Projekt suchten. Dass gute Mädchen in den Himmel und böse überallhin kommen, ist mittlerweile ein Gemeinplatz und wird in Candice Breitz Videoarbeit „Soliloquy (Sharon)“ anschaulich zum Ausdruck gebracht. Aber dass Mutterschaft, aktive Sexualität, und die aktive Produktion guter Kunst Hand in Hand gehen können, ist noch immer ein Thema, das nicht akzeptiert ist. Mütter gelten wahlweise als liebevolle Glucke oder gestresste Helicopter-Mum, die vielleicht  nach der Babypause, mit dem Älterwerden der Kinder wieder als Künstlerin aktiv sind, oder auch nicht.

Die beteiligten Künstlerinnen sprengen das Klischee: Preise für die raffinierten Arrangements von Lara Schnitger (Hauser+Wirth) bewegen sich in Regionen, die hinter denen ihrer erfolgreichen männlichen Kollegen nicht zurück stehen. Die Professorin Mathilde ter Heijne reflektiert seit Jahren auf beispielhaft analytische Weise Frauenklischees- und Rollen. Werke von Cornelia Renz sind bei internationalen Sammlern ebenso gefragt, wie die ihrer männlichen Kollegen. Dennoch: das Klischee der Mutter, die einer überbordenden Familienlast gegenüber steht, beziehungsweise sitzt, wie in der Performance In Balance with von Courtney Kessel, existiert noch immer.

Bitch MATERial thematisiert mit einem lustvollen, positiven und spielerischen Ansatz, wie gendertypische Strukturen aufgebrochen werden können, wie sich etablierte, restringierende Codes angesichts der Banalität empirisch ermittelbarer Realität verflüchtigen und wie emotionsgeladene, vermeintlich fluide gesellschaftliche Rollenmuster ihre Permanenz fordern. Der Mann als full-time-dad und als alleiniger Vertreter beim Elternsprechtag: ein Problemfall, der sich zunächst einmal rechtfertigen muss. Die Transgender-Frau, die glücklich in den Ehestand tritt und Kinder adoptiert oder der Transgender Mann, der schwanger wird: Exoten.

Darum fordert die Ausstellung: Mutterschaft neu denken! „Ausgangspunkt kann nur der Gedanke an das Wohl der Kinder sein. Das ist unabhängig davon, wie Mütter ihren Beruf oder ihre Sexualität leben oder ob sie Vollblutkünstler*innen sind.“, so Britta Helbig. Mutter könnten daher wahlweise der (schwule) Vater, die biologische Mutter, oder auch die Transgender Eltern sein. Denn es ist an der Zeit, dass gesellschaftliche Rollen in einer freien Gesellschaft frei wählbar und nicht festgelegt sind.

Das umfangreiche Begleitprogramm (Podiumsdiskussionen, Männer-Stammtisch etc.) zum Thema Mutterbilder, Familie und Gender in Gesellschaft und Kunstmarkt soll die Thematik für Kinder und Erwachsene über das bloße Rezipieren hinaus ergänzen und erlebbar machen.

Presse Frühschoppen: 21. März 11 -14 Uhr

bitch MATERial – Ausstellung und Programm

Ort: Studio1, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Ausstellung: 23. März – 8. April 2018

Öffnungszeiten: täglich 12-19 h   

Führungen:  ab 01.04. 2018 täglich 15 Uhr

BEGLEITPROGRAMM:

22.3.18 Donnerstag, 18 h        VERNISSAGE

24.3.18 Samstag, 19 h        PODIUMSDISKUSSION – Mutter. Hure oder Heilige?

29.3.18 Donnerstag, 18 h         PECHAKUCHA: Geheimtipps von+mit Art-Bitches mit Kindern

5.4.18 Donnerstag, 19 h         PODIUMSDISKUSSION – Gorillas. Girls. Gender & Gap

6.4.18 Freitag, 18 h            PODIUMSDISKUSSION – Men only – Männerstammtisch           

8.4.18 Sonntag, 17 h            FINISSAGE 

Zur Einstimmung hier ein kurzer Trailer 

Crowdfunding Katalog:  www.bitchmaterial.art

Kontakt: info@bitchmaterial.art